WPTDeepStacks #06 Mini Turbo Knockout Day 1: $100K Gtd. $11.00 Buy-in. Beginn in
13 Stunden
5 Minuten
58 Sekunden
Jetzt spielen
Close

Poker School

Erfahrene Pokerspieler wissen, dass man manchmal ein großes Blatt wegwerfen muss. Dieses Kapitel erklärt Ihnen, wie und warum:

Über eines sind sich die meisten Pokerfans einig, und zwar unabhängig von ihrer Spielerfahrung: Sie hassen es zu passen. Ein schwaches Blatt wegzuwerfen ist dabei noch verkraftbar. Wesentlich schmerzhafter dagegen ist der Ausstieg mit einem starken Blatt, das Potenzial hat.

Wenn ein Pokerspieler von einem “Laydown” spricht, meint er das Passen eines Blatts, mit dem er gewinnen hätte können. Doch ein starkes Blatt ist nicht unbesiegbar. Es kann bis zu dem Moment großes Potenzial haben, an dem der Flop, der Turn und der River aufgedeckt werden und diese neuen Karten neue Möglichkeiten eröffnen, es zu schlagen.

Mit der steigenden Tendenz hin zu aggressivem und looserem Spiel ist das Niederlegen eines großen Blatts eine Kunst, die im Aussterben begriffen ist. Früher waren Pokerspieler vorsichtiger und weniger gewillt, einen Call zu riskieren, da ein marginales Blatt es nicht wert war gespielt zu werden. Gelegentlich kann das Gewinnpotenzial unser Urteilsvermögen beeinträchtigen und die Zeichen, die wir erkennen sollten, verschleiern. Doch für ein erfolgreiches Pokerspiel sollten Sie die Kunst des Laydowns beherrschen.

Das Gefühl

Sie kennen sicherlich das Gefühl: Manchmal spüren Sie einfach, dass irgendetwas nicht stimmt. Pokerspieler erleben genau das während eines Spiels. Sie sitzen am Tisch und fühlen dieses kaum wahrnehmbare Kneifen im Bauch, und die Stimme in Ihnen sagt, dass Ihr Blatt nicht gegen das der anderen ankommt. Ignorieren Sie dieses Gefühl und kämpfen Sie weiter oder passen Sie frühzeitig und gehen jeglichem Verlustrisiko aus dem Weg?

Pokerspieler nennen das "Feel". Laienhaft ausgedrückt erinnert uns das Unterbewusstsein auf der Basis früherer Spielerfahrungen an die möglichen Konsequenzen. Ob Sie selbst etwas mit dieser Information anfangen können, liegt ganz und gar bei Ihnen.

Die besten Spieler sind jedenfalls diejenigen, die diesem Gefühl folgen und passen, auch wenn sie ganz vorne liegen.

Warnsignale

Wenn Sie nicht gut im Lesen von Warnsignalen sind, sind Sie nicht allein. Diese können aber schon bei den einfachsten Spielzügen auftauchen und Ihr Ruin sein, wenn Sie sie nicht rechtzeitig erkennen.

Auf welche Moves sollten Sie also achten? Zunächst sind Einsätze mit der Absicht zu erhöhen (Check-Raises) und Mini-Raises zu erwähnen. Sie tragen nämlich ein Neonschild mit den blinkenden Lettern "Achtung". Auch ein Blatt, das das Potenzial hat, das beste zu sein (die Nuts), sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn Sie sich über das Gefahrenpotenzial unsicher sind, sollten Sie an den Moment vor dem Flop zurückdenken. Wenn Ihr Gegner mitgeht (flat-callt), obwohl Sie eine Erhöhung erwartet hätten, und dann bei einem kleinen bis mittleren Flop check-raist, ist es gut möglich, dass er ein Pocket Paar hält.

Sie können viel über den Wert der Karten eines Gegners erfahren, wenn Sie die Anzahl der Chips betrachten, die er in die Tischmitte schiebt. Sie geben einen Hinweis darauf, ob Ihr Blatt einen Call wert ist.

Spätestens wenn der River aufgedeckt wird, sollten Sie sich fragen: Hat Ihr Gegner tatsächlich ein Blatt, das um so viel mehr wert ist, oder blufft er? Denn es besteht immer die Möglichkeit, dass Ihr Blatt geschlagen werden könnte.

Seltsame Wissenschaft

Die Entscheidung, welcher Spielzug der richtige ist, könnte Ihnen leichter fallen, wenn Sie Ihre Instinkte mit Pokerwissenschaft kombinieren.

Das klingt komplizierter, als es ist. Betrachten wir einmal ein paar Pre-Flop-Entscheidungen. Bei No-Limit Hold'em werden viele der besten Laydowns vor dem Flop getätigt, obwohl der Spieler ein ganz gutes Anfangsblatt hat. Warum? Weil es ihn davor bewahrt, viele Chips auf einmal zu verlieren.

Sie mögen skeptisch sein, was diese Spielweise angeht. Warum nicht warten bis nach dem Flop, wenn Sie schon mal ein gutes Anfangsblatt haben? Zum Großteil hängt diese Entscheidung davon ab, wie viele Chips Sie besitzen. Problematisch kann es werden, wenn bei einem annehmbaren, aber nicht beeindruckenden Blatt pre-flop Action am Tisch ist. Wenn Sie etwa mit 10-10 oder B-B mit einem Raise ein Blatt eröffnen und Sie erneut geraist werden, sieht das Spiel plötzlich völlig anders aus.

Wenn Sie dann auch noch, weil es so verlockend ist, den Re-raise callen, um zu sehen, ob Ihnen der Flop hilft, könnten Sie sich in eine ausweglose Situation hineinmanövrieren. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie callen mit 10-10 ein Re-raise und auf dem Flop kommen 7-4-2. Ihre Karten werden höchstwahrscheinlich von einem besseren Blatt geschlagen, da ihr Wert niedrig ist. Deshalb können Sie sich gratulieren, wenn Sie vor dem Flop gepasst haben.

Pot Odds

Als Nächstes möchten wir die Pot Odds etwas genauer unter die Lupe nehmen. Wie wichtig, denken Sie, sind sie bei der Entscheidung eines guten Laydowns? Die Antwort ist: extrem wichtig, obwohl Sie überrascht wären, wie viele Spieler es nicht die Mühe wert finden sie einzubeziehen. Oder sie falsch anwenden.

Wenn die Setzaktivität zu Ende ist, also normalerweise am River, oder wenn jemand all-in geht, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie Ihre Pot Odds bestimmen sollten. Im nächsten Schritt vergleichen Sie dann die Odds mit Ihren Chancen, dass Ihr Blatt erfolgreich ist. Vorteilhaft wäre auch, die Odds mit den möglichen Blättern der anderen Spieler zu vergleichen. Wenn die Odds gut stehen, können Sie mitgehen. Wenn sie nicht so gut sind, ist ein Laydown die beste Entscheidung.

Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung. Nehmen wir an, Sie spielen gegen einen berechenbaren Spieler, der mitgeht, während Sie auf eine Kartenkombination mit zwei Paaren setzen:

  • Am River kommt eine Flush-Karte, also checken Sie und er setzt.
  • Im Pot liegen 7 000 und er setzt 3 000, weshalb Sie 3 000 benötigen, um mitzugehen. Wenn Sie gewinnen, erhalten Sie 10 000. Ihre Pot Odds betragen 3,333/1 bzw. 30%.

Sie müssen jetzt entscheiden, ob Ihre zwei Paare eine 30%ige Chance haben, erfolgreich zu sein, oder eine 30%ige Chance, erfolglos zu sein. Wenn wir Ihnen einen Rat geben dürfen, wäre Ihre beste Entscheidung in dieser Situation ein Laydown gegen den berechenbaren Spieler. Vorsicht ist immer noch besser als Nachsicht.

Die Kraft der Vernunft

Jeder Pokerspieler weiß, wie schwierig die Entscheidung ist zu passen. Was, wenn Sie das Gewinnblatt wegwerfen? Aus diesem Grund sind Pot Odds, Instinkt und Blattlesen unerlässlich, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Lassen Sie sich vom Tisch, den Odds und den Leuten nicht einschüchtern, da dies Ihre Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt. Ein Laydown ist keine Schande – nicht, wenn Sie sich dadurch Chips für später ersparen.